Als ich mich entschied in den Iran zu reisen, blickte ich mehrheitlich in ratlose als auch besorgte Gesichter. Iran als Urlaubsziel!? Kann das gut gehen oder funktionieren!?

Die Berichterstattungen mit denen man im alltäglichen Leben Berührungspunkte hat sind weitestgehend negativ. Auch mit der gestrigen Nachricht, dass der Iran Überlegungen anstellt aus dem Atomabkommen auszusteigen festigt ein unheimliches Gefühl. Ob nun eine Reise moralisch vertretbar ist möchte ich hier gar nicht aufbringen. Jeder sollte hier für sich selbst entschieden. Du solltest dich jedoch informieren wie es wirklich ist und sich nicht von seinen Vorurteilen leiten lassen.

Ich kann nur für mich sagen, egal was ich von diesem Land zu wissen glaubte wurde völlig über Bord geworfen.

Der eigentliche Anstoß in den Iran zu reisen gaben mir zwei Freundinnen die ich zuvor in Indien auf der Rickshaw Challenge kennen gelernt hatte. Auf die Frage, ob ich Lust auf ein Skiwochenende mit einer Hausparty bei einem Freund von ihnen hätte, blieb nicht lange unbeantwortet. Ich sagte ihnen zu, bevor ich überhaupt wusste ob und wie ich ein Visum bekommen sollte (weiter Infos zum Visum schreib ich in einem separaten Blogpost).

Teheran

12 Tage nach der Nachricht stand ich dann an dem Flughafen in Dubai nach Teheran. Um ehrlich zu sein jagte mir alleine der Namen der Stadt auf der Infotafel schon Respekt ein. Ich wusste absolut nicht was auf mich zukommen würde. Beide Freundinnen sollten mich erst am nächsten Morgen abholen um dann gemeinsam in die Berge zu fahren. Ich war also auf mich alleine gestellt, nun aber in einem Land welches so viele Vorurteile hatte.

Als ich dann am Flughafen mit einem Taxifahrer zu seinem alten klapprigen Peugeot ging wurde mir schon mulmig. Nicht nur weil wir über die Leitplanke klettern mussten um dort in sein auf dem Standstreifen der Autobahn geparktes Auto zu steigen. Ich wusste einfach nicht ob ich den Menschen hier vertrauen konnte. Ich wagte das Experiment aber immer mit dem Blick auf das Handy ob er richtig fahren würde. Am späten Abend errichte ich dann wohlbehalten mein Hostel.

Viel Zeit blieb nicht mir nicht die Hauptstadt des Iran entdecken zu können, so entschloss ich mit der Untergrundbahn zum Bazar zu fahren. Auch hier wurde ich wieder eines Besseren belehrt. Als ich auf dem Plan schaute mit welcher Bahn ich fahren musste sprach mich ein älterer Herr an ob ich zurechtkäme. Schlussendlich brachte er mich sogar zum Bazar, gab mir seine Handynummer für Notfälle und lud mich zum Essen zu ihm nachhause ein. Ganz ehrlich wann passiert das einem in Deutschland?

Auch auf dem Bazar selbst wurde ich immer freundlichst begrüßt. Die Leute zeigten auf eine ehrliche und herzliche Art ein allgemeines Interesse an einem. Nicht aber um etwas verkaufen zu können.

Dizin

Man konnte beim Blick durch die langen und breiten Hauptstraßen von Teheran nicht unweit schon die schneebedeckten Berge sehen. Ich konnte es kaum noch abwarten endlich wieder auf den Brettern zu stehen 🙂 Nachdem ich von Emma und Eefke aufgesammelt wurde ging es in das 80km entfernte Bergdorf Dizin. Eines der bekanntesten Möglichkeiten Ski zu fahren im Iran. Das Skigebiet war top, für einen Tagespreis von 20€ war eine Tageskarte erhältlich ebenso konnte man alles von Kopf bis Fuß ausleihen. Für mich sehr von Vorteil da ich absolut nichts dabei hatte 😛 Am Tag der Ankunft ging es für uns Schneehasen aber nicht mehr auf die Piste… so wackelten wir erst nach einer langen und lustigen Nacht am Tag darauf zur Piste.

Da es seit dem Vortag schneite und Eefke fortgeschrittener Anfänger war und Emma noch nie auf den Ski stand, bat ich mich als Lehrer an. Leider mit fatalem Ende… Nachdem wir 1 ½ Stunden Übungsfahrten auf der Babypiste machten entschieden wir, dass es Zeit war für den großen Berg. Naja Emma schaffte leider nicht einmal die erste Abfahrt. Das Ergebnis war, dass sie abtransportiert wurde und ein Kreuzbandriss hatte. So war unser Skiwochenende nach 2 ½ Stunden gelaufen.

Sie entschied Zuhause in Dubai ins Krankenhaus zu gehen, um dort alles konkreter untersuchen zu lassen. So verließen wir Dizin nach knapp 30 Stunden. Auf der Fahrt buchten beide noch schnell ihren Flug um und ich ging wieder zurück in mein Hostel in Teheran. Ein paar Tage später erfuhr ich, dass am nächsten Tag das Skigebiet kurzfristig aufgrund des vielen Neuschnees geschlossen hatte und eine Lawine abging, die uns in Dizin eingeschlossen hätte. Glück im Unglück, wenn man das so sagen kann.

Kashan

Mein nächster Stop war die kleine Stadt Kashan die bekannt ist durch ihre wunderbare Architektur. Alleine mein Hostel machte schon viel her, was man von außen nicht erwartet hätte. In der engen Seitenstraße war nur eine ältere unscheinbare Holztüre zu sehen, beim hindurch gehen eröffnete sich einem ein großer mit Fliesen und Ornamenten verzierten Innenhof indem die Zimmer rund rum angeordnet waren.

Auch bei der Suche nach einem guten und schönen Restaurant am Abend machte die Tatsache das alles ein wenig verwinkelt und unscheinbar wirkte nicht einfacher. Nachdem wir durch die unzähligen Gänge eines Gebäudes gingen eröffnete sich einer der schönsten Restaurants die ich  gesehen hatte. Ein circa sieben Meter hoher Raum mit weißen Wänden die architektonisch im arabischen Stil gestaltet waren nahm uns vollends ein.

Am frühen Morgen machte ich mich wieder auf zum Bazar um die tiefstehende Sonne für ein paar schöne Bilder zu nutzen. Leider war ich so früh dran, dass die Geschäfte noch nicht geöffnet hatten. Doch auch hier Glück im Unglück 😛 Ein älterer Herr sprach mich an und fragte mich ob ich auf das Dach des Bazars möchte. Ganz ehrlich da überlegt man nicht zwei Mal. Er zauberte einen großen alten Schlüssel aus einer seiner Jackentaschen hervor und schloss mir eine kleine Türe auf. Auf dem Dach des uralten aus Lehm gebauten Gebäudes hatte ich eine unfassbare Aussicht hinweg über die Dächer der Stadt bis hin zu den schneebedeckten Bergen.

Auch die Agha Bozorg Moschee konnte ich von dem Dach des Bazars erkennen. Sie war mein Ziel für den Nachmittag. Ich hatte den ganzen Tag keine anderen Touristen getroffen, dass änderte sich hier auch nicht. Hier war ich sogar ganz alleine. Kein anderer Mensch war weit und breit zu sehen.

Isfahan

Ich beschränkte mich auch hier auf die berühmten Moscheen und auf den Bazar, die um einiges prachtvoller und größer waren wie ich es bisher gesehen hatte. Um ehrlich zu sein konnte man sich auf dem Bazar verlaufen. Auf dem riesigen Areal gab es überall kleine Gassen und Stände welche von Gewürzen über Pistazien bis hin zu Teppichen alles anboten. Es war nach wie vor beeindruckt. Denn wie schon beschrieben war das Ganze noch größer und prachtvoller wie ich es bisher in meinem Leben gesehen hatte.

Iran, eine wahre Wundertüte aus Überraschungen und Abenteuern. Im zweiten Teil meines Reiseberichts geht es für mich unter anderem für eine Nacht zu einem Handelsposten auf der Seidenstraße, zu Nomaden die selbst ohne Basics wie Haustüre und Toilette zu überleben wissen, des Weiteren lasse ich mir von einem Nomaden aus einem über 140 Jahre alten Buch dessen Sprache nur noch wenige lesen und sprechen können meine Zukunft vorhersagen und vieeeles mehr.

Bleibt also dran und erfahrt mehr warum ich dieses Land und insbesondere seine Menschen so lieben gelernt habe.

Cheers, Theo

 

Land: Iran

bereiste Orte: Teheran, Dizin, Kashan, Isfahan

Dauer: 8 Tage