Zum Anfang des ersten Teils meiner Iranreise hatte ich die Frage gestellt, ob der Iran als Reiseziel funktionieren kann.

Bei allem was ich nun schon erlebt hatte, kann ich ganz klar sagen ja. Ich hatte alle meine Vorurteile abgelegt und genoss das Land in vollen Zügen. Nachdem ich nun die Städte Teheran, Dizin, Kashan und Isfahan erkundet hatte zog es mich auf nun aufs Land. In den weiter südlich gelegen Städten Yazd und Shiraz boten sich mir die perfekten Möglichkeiten.

Wie bisher auf meiner Reise, wollte ich Menschen kennen lernen und Orte besuchen die kaum mit Touristen Kontakt hatten. Einer der Möglichkeit war einen Handelsposten mitten im nirgendwo auf der berühmten Seidenstraße zu besuchen, die andere war es Nomaden die heute noch mit all ihrem Hab und Gut durch das Land ziehen kennen zu lernen.

Yazd

Yazd war eine der ältesten Städte des Iran, sodass ihre Altstadt sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.  Ich wohnte in dem bisher schönsten Hostel im Iran, direkt neben der Freitagsmoschee und dem Eingang zu einem alten Bazar. Wäre mein Reisebudget und meine Verstaumöglichkeiten etwas großzügiger ausgefallen, wäre das der Ort für Shopping gewesen. Von fantastischen originalen orientalischen handgeknüpften Teppichen, Gemälden, Dekoelemente für Haus und Mensch bis hin zu Lederwaren war alles dabei.

Nun wollte ich aber raus aus der Stadt aufs Land. Auf dem Weg zu einem der Handelsposten auf der Seidenstraße machten wir noch einen Stop beim Tower of Silence. Dieses auch als Dachma bezeichnetes Bauwerk dienten für eine Sonnenbestattung. Hierbei werden die Leichname in die runden Türme gelegt wo sie von Geiern und Raben gefressen werden. Wenn ihr mehr erfahren wollt über diese Art der Bestattung informiert euch selbst 😛

Nach dieser etwas eigenartigen Erfahrung war ich nun in dem etwa 70km außerhalb gelegenen Handelsposten angekommen. Im Grunde erinnerte das kreisrunde Gebäude vielmehr an eine Art kleine Festung. Rundum war es ca. fünf Meter hoch, hatte nur einen Eingang, kein Dach in der Mitte und beherbergte mehrere Schlafsäle und eine Art Restraunt.  Die zwei Angestellten, die mit mir noch dort waren, fragte ich ob ich eines ihrer Autos ausliehen dürfe um die Wüste die uns umgab zu erkunden.

Bei der Wüste müsst ihr euch weniger eine Sandwüste, sondern viel mehr eine Art aus Steinen bestehende Wüste vorstellen. Natürlich ließ mich keiner der beiden alleine los. So fuhr mich derjenige, der überhaupt kein Englisch konnte und irgendwie überhaupt keine Lust zu scheinen hatte für zwei Stunden noch weiter in die Pampa. Wir fanden sogar nach über einer Stunde ein verlassenes Haus 😛

In den beiden Nächten die ich dort verbringen sollte überraschte mich der Iran auf eines Neues. Insbesondere in der letzten Nacht war es in meinem Zimmer furchtbar kalt, sodass ich versuchte mit allem möglichen die aus Holz zusammen genagelte Türe abzudichten Am nächsten Morgen machte ich die Türe auf und stand im Schnee. Ich dachte ich bin im falschen Film…

Kleiner Tipp: Insbesondere diesen Handelsposten sollte man im Sommer besuchen, denn dann werden traditionelle Tänze auf dem in der Mitte des Gebäudes befindlichen Podests vorgeführt und man trifft doch den einen anderen Reisenden oder Einheimische. Ich war die meiste Zeit ganz alleine.

Nach zwei Nächten holte mich mein Taxifahrer wieder ab um nach Yazd zurück zu kehren. Ich hatte noch eine weitere Tour in die Ruinenstadt Kharanagh und in die verlassene Felsenstadt Chak Chak vor. Seht aber einfach mehr auf den Bildern, der Ausblick auf dem Weg nach Chak Chak und dieser verlassenen Stadt im Berg war unfassbar!

Shiraz

In Shiraz sollte für mich DAS Abenteuer beginnen. Zwei Tage sollte ich mit Nomaden leben. Mein Guide Mohammad war selbst ein Sohn von Nomaden. Daher wusste er genau wovon er redete und eine authentische Erfahrung war mir sicher. Am Morgen meiner Ankunft in Shiraz sollte es auch gleich schon losgehen.

Die fünfstündige Fahrt führt mich über ein Gebirge, vorbei an Bananenplantagen und durch immer kleiner werdenden Ortschaften. Nach meinem Besuch bei den Handelsposten in der Nähe von Yazd dachte ich eigentlich noch weiter ins nirgendwo ging es nicht. Doch ich wurde hier eines Besseren belehrt. Kein Strom und kein fließendes Wasser war hier die Normalität, dafür die mir entgegen gebrachte Herzlichkeit um so größer. Die nächste kleine Ortschaft war ca. 1,5 Stunden Autofahrt entfernt. Bei einem Besuch einer Familie wurde sogar extra wegen mir ein kleines Lamm geschlachtet und zubereitet. Lecker, lecker wenn es auch nicht so aussah 😉

Bei Mohammads Familie lernte ich das alltägliche Leben eines Nomaden kennen. Es wurde wegen mir nicht extra eine Show aufgezogen, sondern ich nahm an ihrem alltäglichen Leben teil. Heu einräumen und Ziegen zusammentreiben war das kurze Animationsprogramm bevor es essen gab. Dieses wurde in einem der zwei Zelten welches als Küche umfunktioniert wurde zubereitet. Die Küche bestand eigentlich aus mehr ein Regal für Kochzubehör und einem in den Dreck gebuddeltes Loch für Feuer. Das Essen gemeinsame Abendessen war aber sehr köstlich. Die Familie hatte eigentlich kaum Besitztümer. Eine aus Lehm gebaute Hütte, deren Türe nicht vorhanden war, sondern mit einem Teppich ersetzt wurde, und zwei kleine Zelte wovon eines ja die Küche war und das Andere für die Babyziegen.

Der wahre Schatz der Familie wurde mir am Abend dann gezeigt. Der Onkel von Mohammad zauberte ein in Plastik eingewickeltes Buch hervor und hielt es sich nachdem er es geküsste hatte an seine Stirn. Mohammad erklärte mir, dass es ca. 140 Jahre alt war und aus der Umgebung von Indien stammte. Geschrieben war es in einer Sprache die nur noch wenige Menschen lesen konnten, zu meinem Glück war sein Onkel einer davon. Das Besondere an diesem Buch war, dass es einem die Zukunft vorhersagen konnte. Normalerweise glaube ich nicht an solch ein Hokuspokus, doch alles was er über mich, meiner Beziehung zu meiner Familie und Freunden sagt war richtig. Was er mir genau vorhergesagte bleibt aber mein kleines Geheimnis 😛

Am zweiten Tag wanderten wir drei Stunden zu anderen Familien und einer Schule. Die aber nichts mit einer Schule wie wir sie kennen zu tun hat. Sie bestand lediglich aus einem runden Zelt und einer Tafel mit der die sechs Kinder unterrichten wurden. Keine Stühle, kein Tisch und natürlich kein Strom. Für den Unterricht musste der Lehrer ca. zwei Stunden mit dem Motorrad fahren, da dieses kleine „Nomadendorf“ weit ab von allem lag.

Mohammad erklärt mir allgemein viel über das Leben der Nomaden. Wie sie es schaffen zu überleben, wie der Wandel der Moderne sie beeinflusst, wie sie es schaffen Geld zu verdienen und vieles mehr… Aber am besten erlebt ihr dies selbst 😉 Man kann die Erfahrung die ich dort gemacht habe einfach nicht in Worte fassen!

Zwischen Mohammad und mir entwickelte sich in den zwei Tagen eine richtige Freundschaft. Ich durfte auf der Heimfahrt nicht nur mit seinem Auto fahren, sondern er lud mich sogar zu sich nachhause ein. So verbrachte ich meinen letzten Abend mit seiner Familie bei einem genüsslichen selbstgemachten Essen seiner Frau, die mir nebenbei noch ein Armband bastelte.

Aber das war längst nicht alles. Bevor es für mich zurück nach Teheran gehen sollte besuchten wir Mohammads ehemalige Schule in der Englisch unterrichtete. Was ich allerdings nicht erwartet hätte, das ich nachdem ich die Fragen einer Klasse über mich, meine Reise, Deutschland und vieles mehr beantworte auch vom Direktor in seinem Büro empfangen wurde. Ich fühlte mich, bei den eher politischen orientierten Fragen, nahezu wie ein politischer Gesandter. Aber es machte irgendwie Spaß den sehr interessierten Iranern auch ein wenig über meine Kultur zu erzählen zu können.

Iran war die große Überraschung für mich und ich würde sofort wieder gehen. Die Herzlichkeit die ich versuche in diesen beiden Berichten zu vermitteln war unfassbar. Insbesondere Mohammad und Neda die mir aus meinem Teheraner Hostel versuchte all dies zu möglichen half mir ungemein. Neda hat übrigens nichts daran verdient, sie half mir einfach nur so. Allgemein muss ich sagen ich habe nie freundlichere Menschen getroffen!

Für mich ging es über Istanbul und Frankfurt weiter nach Marokko. Ich hatte es geschafft! Nach 4 Monaten und 14 Tagen hatte ich mithilfe von 31 Flügen schon 12 Länder bereist und einmal die Erde umrundet. Ich hatte so viel erlebt und es war noch eine Weile kein Ende in Sicht. Für den dreistündigen Aufenthalt in Frankfurt kamen extra meine Großeltern, damit ich Souvenirs und Klamotten die ich nicht mehr benötigte austauschen konnte. Marokko war mein längster Aufenthalt, ich brauchte eine Pause um mich von den ganzen Eindrücken zu erholen. Das heißt aber nicht das ich untätig war 😉 Seid also gespannt was kommt 🙂

Cheers, Theo

Land: Iran

bereiste Orte: Yazd, Kharanagh, Chak Chak, Shiraz

Dauer: 8 Tage